Stille

Tiefblau hebt sich der Himmel am Horizont von der dunkelschwarzen Silhouette der Berge ab.
Der Nebel liegt wie ein seidener Schleier über der Landschaft. Ein kühler Windhauch streicht über den Grat ins Tal.

Das immer heller werdende schmale Band am Horizont zeichnet einen funkelnden Schimmer auf die feuchten Wiesen.

Unzählige Wasserdiamanten.

Es riecht nach frischer Erde, nach nach frischem Gras.

Kein Geräusch durchbricht die Stille.

Nur der Boden gibt einen dumpfen Ton ab. Schwer wie ein Herzschlag. Gleichmäßig.

Unmerklich steigt der seidene Schleier empor und gibt nach und nach den Blick auf die schlafende Umgebung frei.

Das leuchtende Band am Horizont wird heller. Es scheint, als fließen die Lichtstrahlen aufeinander zu.

Sie konzentrieren sich an einem Punkt und formen nach und nach eine Sichel.

Ein kurzer Augenblick des Stillstands. Ich will ihn greifen, halten. Aber er verrinnt.

Unaufhaltsam fließt er wie Sand durch die Finger.

Ein leuchtender Ball steigt empor.

Die ersten Sonnenstrahlen lassen die Wasserdiamanten schmelzen.

Wie eine Welle ergießt sich das gelbgoldene Licht über die Berggipfel, über Grate bis in die Täler.

Ein leises Summen erfüllt die Luft. Lauter. Immer lauter. Vögel zwitschern.

Keine Stille mehr.

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